Pflanzen-Portrait

Buglossoides purpurocaerulea
Fam. Boraginaceae


 
   
Wuchs: 20-60cm hoch
Stengel: Reich beblättert, am Grunde mit sterilen Sprossen.
Blätter: Lanzettlich, unterseits nur mit Mittelrippe
Blütenstand: Endständig. Krone röhrenförmig mit weitem trichterförmigen Saum
Blütenfarbe: Knospen beim Aufblühen purpurfarbig, Blüte tiefblau, 14-20mm lang innen mit 5 behaarten Streifen
Blütezeit: Mai/Juni
Frucht: Teilfrüchte weiss, glänzend, steinhart
Vorkommen: Wälder und Gebüsche in warmer Lage, besonders Flaumeichenwald.
Kollin-montan. CH Jura, Wallis, Tessin, Graubünden. Nicht häufig.
Herkunft: südeuropäisch-westasiatisch
Besonderes: Streng geschützt
   
 

Nur wenigen Einwohnern Holderbanks ist bekannt, dass in unserem Gemeindegebiet eine Blume wächst, deren Blütenfarbe es mit dem Blau des bekannten Enzians aufnehmen kann. Wir können von einem Schatz in unserer Gemeinde reden, denn gesamtschweizerisch betrachtet ist der Blaue Steinsame selten. Dazu kommt, dass es dieser prächtigen Pflanze offenbar bei uns gefällt, denn der Bestand scheint leicht zugenommen zu haben.

Am Chestenberg bildet sie 2 grosse Flächen, die ob ihrer Grösse in Botanikerkreisen Berühmtheit erlangt haben. Wer Mitte Mai über den Grat geht, kann in ein enzianblaues Blütenmeer schauen, dass fleissig von Hummeln und anderen Insekten besucht wird.


blaues Blütenmeer

Dass der blaue Steinsame selten ist, mag an seinem Bedürfnis nach Wärme, genügend Feuchtigkeit, nährstoffreichen, aber stickstoffarmen Böden liegen. Oberflächlich betrachtet wird er mit allerlei Böden fertig, allerdings muss das gesamte Standortgefüge ausgewogen sein. Er gedeiht auf Kalk, Ton, Lehm und Löss. Eine leichte humose, vermullte Abdeckung dieser Böden ist ideal.


So hat er z.B. einen Standort an heisser, sonnenbeschienener aber feuchter Lage im Steinbruch, ein anderer befindet sich am halbschattigen Waldrand im Gebiet Säurai.


Austrieb  /  am Wurzelaustrieb entstandene Jungpflenze

 

 

Wenn aber alle Faktoren stimmen, kann er sich schnell ausbreiten, besonders da die Pflanze zwei Fortpflanzungsmöglichkeiten hat. Sie kann sich versamen, sie kann sich aber auch durch ihre langen Austriebe vermehren. Diese neigen sich zum Boden, und bei den Blattansätzen, können sich kleine Wurzelaustriebe bilden. Diese verankern sich fest im Boden. Im nächsten Frühjahr treiben dort Jungpflanzen aus.

 


 
       


die steinharten, pozellanweissen Samen

 

Der deutsche Name bezieht sich einerseits auf das augenfälligste Merkmal, das wunderschöne Blau der Blüten, andererseits auf die, erst im Winter besonders gut sichtbaren, steinharten Samen. Diese wachsen im oberständigen Fruchtknoten heran, sind aber lange unscheinbar grün verpackt. Erst im Winter, wenn aller Saft aus den Stängeln gewichen, die grüne Umhüllung abgefallen ist, werden die porzellanweissen Samen sichtbar. Sie „kleben“ wie kleine Perlen an den braunen Stängeln. Damit diese steinharten Samen keimen können, müssen sie einige Male starken Frost bekommen, denn die Pflanze gehört zu den Frostkeimern. Auch Verdauungssäfte von Tieren helfen die Frucht zur Keimung zu bringen.

Interessant ist, dass auch schon die Menschen in der Bronzezeit diese porzellanweissen Samen mit der seidenmatten Oberfläche sehr schätzten. Bei Ausgrabungen, fand man Ketten und andere Schmuckstücke, die aus den schönen Samen gefertigt waren.

 

Der wissenschaftliche Name Buglossoides kommt aus dem Griechischen und bedeutet: bous = Rind, glotta = Ochse und oides = Zunge. Hiermit wird auf die rauen, rindszungenförmigen Blätter verwiesen. Der zweite Teil purpurocaerulea ist eine lateinische Wortbildung und bezieht sich einerseits auf die purpurfarbigen Knospen und andererseits mit caerulea = blau auf die tiefblauen Blüten. Die unterschiedliche Färbung von Knospe und Blüte ist auf einen Farbstoff, der zu den Anthocyanen gehört, zurückzuführen. Dieser Stoff reagiert auf Säure. Die Knospen enthalten noch viel Sauerstoff, und sind daher rot gefärbt. Mit zunehmender Blühdauer, nimmt der Säuregehalt ab, und die Blüte färbt sich mehr und mehr blau. Man kann diese Farbänderung bei vielen blauen Pflanzen beobachten.

Rindszungenförmige Blätter   /   purpurfarbene Knospen   /   von purpur zu blau


Der Blaue Steinsame gehört zur Familie der Boraginaceaen. Es sind die Raublattgewächse. Tatsächlich sind die Blätter dieser Pflanzen borstig rau. Bekannte Familienmitglieder sind der Borretsch, das Vergissmeinnicht, der Beinwell, das Lungenkraut und der Gemeine Natternkopf.

Borretsch  //  Vergissmeinnicht  /  Beinwell  /  Lungenkraut  /  Natternkppf


Fotos und Text: Silke Amrein
Holderbank, 10.06.2006

 

Lilium martagon
Fam. Liliaceae


 
   
Wuchs: 30-ca. 150cm hoch
Stängel: Dicht beblättert
Blätter: Breit-lanzettlich, im mittleren Stängelteil zu Quirlen zu 4-8, darüber wechselständig.
Blüten: In lockerer bis 20 blütiger Traube, an aufrecht gerichteten Stielen hängend. Perigonblätter hellpurpurn mit dunkelroten Flecken. 6 Staubblätter.
Blütezeit: Juni-Ende Juli
Frucht: Eine 3fächerige, vielsamige Kapsel
Vorkommen: Wälder, Bergwiesen, meist auf Kalk. Kollin-subalpin (-alpin), CH: Alpen, Jura, seltener Mittelland..
Besonderes: CH überall streng geschützt
   
 

  Im März, wenn die Sonne Licht und Wärme auf den Boden bringt, durchbricht ein kegelförmiges Gebilde, den oft noch harten Boden. Es ist der Austrieb des Türkenbunds. Aus der unter dem Boden befindlichen Zwiebel, treibt ein kräftiger Spross. Daraus entfalten sich bald schon die Blätter. Sie stehen meist quirlständig um den Stängel, sind lanzettförmig, und haben parallel verlaufende Blattnerven.  
27. März 2005 02. April 2005 5. April 2005      

  Ende April werden im oberen Blattquirl dicht stehende, filzig behaarte Blütenknospen sichtbar. Während sich der Stängel streckt, und die Blattquirle einen grösseren Abstand voneinander bekommen, bleiben die Knospen noch nahe beieinander.    
      30. April 2005 30. April 2005 11. Mail 2005  

In diesem Wachstumsstadium fällt der Türkenbund leider sehr oft dem Appetit der Rehe zum Opfer. Obwohl die Pflanze Giftstoffe enthält, scheint sie den in dieser Zeit Kitzen führenden Tieren wichtige Nahrungsstoffe zu liefern.

Mitte Juni endlich, haben sich die Knospen soweit entwickelt, dass sie sich öffnen. Zuerst krümmen sich die äusseren 3 Blütenblätter zurück, die inneren 3 folgen nach. Die Blüte hat nun Ähnlichkeit mit einer, ehemals von den Türken getragenen Kopfbedeckung, dem Türkenbund oder Turban. Daher stammt also der deutsche Name Türkenbund.

Die von unten nach oben blühende vielblütige Rispe hat eine lange Blühdauer.


Die Lilien gehören zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Die Blüte ist ein Fortpflanzungsorgan. Sie entsteht durch Metamorphose aus dem Spross. Die Lilienblüten bestehen in der Regel aus einer einfachen Blütenhülle, d.h. aus zwei dreiteiligen Kreisen gleichfarbener Blätter. Eine solche einfache Blütenhülle nennt man Perigon. Die nach oben gekrümmten 6 Blätter des Perigons geben die Befruchtungsorgane frei: 6 männliche Staubblätter, an deren Stielen (Staubfäden) sich jeweils 1 Staubbeutel befindet. Dieser ist in 2 Theken unterteilt, die je 2 Pollensäcke enthalten. Insgesamt enthält ein Staubblatt also 4 Pollensäcke. Sie öffnen sich bei der Reife und geben den Blütenstaub frei, welcher aus unzähligen Pollenkörnern besteht.

   

Abb. 1)  Sechs nach oben gekrümmte Perigonblätter geben die Befruchtungsorgane frei: Sechs männliche Staubblätter, bestehend aus Staubfäden mit unreifen Staubbeuteln.

Abb. 2)  Reife Staubbeutel mit geöffneten Pollensäcken.

Abb. 3)  Geöffnete Pollensäcke mit Blütenstaub, welcher aus unzähligen Pollenkörnern besteht. In der Mitte befindet sich das weibliche Fruchtblatt (auch Stempel genannt) mit bestäubter Narbe.

 
         
     

Abb. 4)  Das weibliche Fruchtblatt, der Stempel, besteht aus Narbe, Griffel und grünem Fruchtknoten.

Abb. 5 (weisser Pfeil) Im Fruchtknoten befindet sich die weibl. Geschlechtsanlage mit den Eizellen.

Nach der Bestäubung entwickeln sich die Samen, in welche die Pflanzenembryonen eingeschlossen sind.

 

Aus dem Fruchtknoten entwickeln sich 3teilige Kapseln, aus denen ab September kleine Samenplättchen zu Boden fallen. Die Samen müssen eine Frostperiode überstehen, um keimen zu können. (Kaltkeimer). Die Türkenbundlilie kann sich aber auch vegetativ, d. h. durch neben der Zwiebel entstehende Stängelbulben, vermehren. Aus diesen können sich nach 2-3 Jahren blühfähige Zwiebeln entwickeln.


   

 

 

Die Zwiebel hat eine goldgelbe Farbe. Es gibt viele Volksnamen, die darauf Bezug nehmen. Z.B. Goldbölla, Goldapfel oder Goldknopf. Alchimisten versuchten darum Gold aus ihr zu machen. In der Volksheilkunde wurde sie gegen Hämorrhoiden und Nierenleiden angewandt.


Holderbank AG

In der näheren Umgebung des Dorfes ist diese schöne Blume selten geworden. Am Chestenberg und in den Wäldern des Schenkenberger Tales, gibt es noch grössere Bestände.


Ausgraben und abpflücken verboten!

Es Lohnt sich nicht, denn in gewöhnlicher Gartenerde gehen die Wildpflanzen meist ein. Stehen sie in der Vase, werden wir mit dem stark färbenden Blütenstaub auf der Tischwäsche und dem strengen, nicht jedermann gefallenden Duft bestraft.

 

 

Fotos und Text: Silke Amrein
CH_Holderbank, 20.12.2005

 

Kontakt:

Simon Läuchli

Hauptstrasse 16
5113 Holderbank
Tel: 062 893 17 42
E-Mail: simon.laeuchli@bluewin.ch


Letzte Änderung: 26.10.2020


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