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Bienen leiden unter Alkoholentzug


In Blütennektar kann durch Gärung Alkohol entstehen. Was die Bienen lieben, beeinflusst die sozialen Beziehungen im Volk.


Von: Joachim Czichos  (Bild: Getty)


Neben verschiedenen Zuckern könnte Blütennektar auch psychoaktive Substanzen enthalten, die für Bienen attraktiv sind. Dazu zählen Koffein und andere Alkaloide und auch Alkohol, den Hefen durch Gärung produzieren. Polnische Biologen haben jetzt untersucht, wie Honigbienen auf den Verzehr alkoholhaltiger Zuckerlösungen reagieren. Sie stellten fest, dass sich bei den Tieren Entzugssymptome entwickeln, wenn sie nach längerem Konsum auf den Alkoholzusatz verzichten mussten.

Möglicherweise bewirkt der Alkohol im Nektar, dass die Bestäuber häufiger wiederkommen und so der Pflanze nutzen. Bienen könnten als Modellorganismen dafür dienen, Ursachen und Behandlung der Alkoholabhängigkeit zu erforschen, erklären die Forscher im Fachblatt «Biology Letters».

Bei Entzug eine höhere Sterberate

beitrag05bienen 400.300«Honigbienen zeigen unter Alkoholeinfluss Verhaltensweisen, die mit denen von alkoholisierten Säugetieren und Menschen vergleichbar sind», meint Krzysztof Miler von der Polish Academy of Sciences in Krakau. So könne Alkohol die sozialen Beziehungen zwischen den Arbeiterinnen beeinflussen sowie Futtersammeln und Lernvermögen beeinträchtigen. Bei der Futtersuche finden Bienen gelegentlich Blüten mit Nektar, der etwa ein Prozent Alkohol enthält. Beobachtungen zufolge werden solche Nektarquellen nicht etwa gemieden, sondern wiederholt aufgesucht.

In Fütterungsexperimenten boten die Forscher den Bienen Zuckerwasser mit Alkoholkonzentrationen zwischen 0,3 und 25 Prozent an. Auch bei hohem Alkoholgehalt reagierten die Tiere positiv, indem sie ihren Saugrüssel danach ausstreckten. Die Bienen wurden in vier Gruppen mit jeweils 200 Tieren eingeteilt. Die Biologen fütterten zwei Gruppen mit reiner Zuckerlösung, für die anderen war die Nahrung mit einem Prozent Ethanol versetzt. Eine der Alkoholgruppen musste dann drei Tage auf Alkohol verzichten, eine alkoholfrei ernährte Gruppe stieg zur gleichen Zeit auf alkoholische Kost um, bei den übrigen blieb die Ernährung unverändert.

Die an Alkohol gewöhnten Tiere entwickelten drei Tage nach dem Wechsel zu alkoholfreier Zuckerlösung Verhaltensänderungen, die auf Entzugserscheinungen schliessen liessen: Zum einen verstärkte sich das Verlangen nach Alkohol, gemessen an der Reaktion des Saugrüssels nach Kontakt mit alkoholhaltiger Lösung.

Zum anderen nahmen die Tiere von angebotenem Alkohol deutlich mehr auf als Bienen, die zuvor ununterbrochen oder nur drei Tage lang oder noch nie Alkohol erhalten hatten. Ausserdem erhöhte sich die Sterberate der Bienen unter dem Entzug leicht. Ob der natürliche Alkoholgehalt des Nektars tatsächlich eine anziehende Wirkung hat, die der Pflanze zugutekommt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.


Kontakt:

Simon Läuchli

Hauptstrasse 16
5113 Holderbank
Tel: 062 893 17 42
E-Mail: simon.laeuchli@bluewin.ch

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